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Recht(schreib)menschen

Grad in der Süddeutschen geschmökert und ein paar Kommentare zu einem Artikel gelesen, 1. Kommentar bezieht sich auf die mangelnde Rechtschreibung von Redakteuren und Lesern. Da mir dieses Krittelphänomen desweilen öfters unterkommt(derstandard.at) frage ich mich was einen Menschen motiviert, sich anstatt dem Inhalt eines Beitrags lieber durch fehlerhafte Vokabeln und Satzstellungen zu wühlen.

Eine Vermutung meinerseits läuft dahingehend, dass es vielleicht als respektlos gegenüber dem zukünftigen Leser angesehen wird, sich so gehen zu lassen und nicht erst eine Korrekturlesung vor Absenden eines Beitrags, Schreiben des Artikels durchzuführen. Aufgrund der Lächerlichkeit, die wohl ein Fakt sein dürfte, frage ich mich, ob irgendjemand glaubt Intellekt sei mit Bildung gleichzusetzen. Ein wortgewandter oder rethorisch begabter Mitbürger ist subjektiv intelligent, dass sagt wohl einiges über die Charaktere aus. Um gar nicht erst den Beweis antreten zu müssen, wird kategorisch abgelehnt, ohne jede Sicht auf den Inhalt. Die Diskussion entfällt. Der Beitrag ist unwichtig, es ist beinahe wie wenn man ein Chassis in eine Opel oder Mercedes Karosse steckt nur ohne den Klassenunterschied.

Ich kann mich nicht erinnern jemals in meinem ganzen Leben auch nur ansatzweise daran gedacht zu haben eine schriftliche Arbeit anhand ihrer Rechtschreibung zu beurteilen. Für meinen Teil hat die Rechtschreibung sowieso eine zu 90% ökonomische Komponente. Wenn “ok” schneller geschrieben ist als, “Ich danke für Ihr Schreiben und erkläre mich mit Ihren Ausführungen einverstanden”, der Gegenüber das akzeptiert(man kann ihn auch erziehen, das Gegenteil steht nirgends geschrieben), dann finde ich kein Gegenargument. Das hat nichts mit Wertschätzung zu tun, ich schreibe schneller, er liest schneller. Das Ziel ist Information. Der Weg die kürzeste Vermittlung. Wenn das Kapital(mental wie ökonomisch) einer schriftlichen Arbeit abhängig von Form und Satzbau ist, dann betrachte ich den gewählten Einsatz von Text als einfache Kosten-Nutzen-Rechnung. Es wird ein Aufwand investiert, der vergütet werden muss. Mehr ist Text nicht, Mittel zum Zweck. Ganz einfach.


2 thoughts on “Recht(schreib)menschen

  1. noch schlimmer ist’s auf orf.at, denn ich glaube dass über 70% der Leser sich nur darauf konzentrieren die Rechtschreib und Grammatikfehler der Redakteure aufzudecken und zu kritisieren…